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Reading Comprehension – Test 1

C2 Proficiency ReadingGerman

This C2 German reading comprehension test has three original texts in different genres: an essay, a literary short story and a book review. Each text is 500–650 words long. The 20 questions test gist, detail, inference, author's stance and vocabulary in context. The test is for advanced learners preparing for C2 exams, such as the Goethe-Zertifikat C2, and for teachers who need authentic-style practice material.

Questions
20
Time
50 min
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7 pages
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Part 1: Essay – In Praise of Boredom

Read the essay and answer questions 1–7.

Es gehört zu den eigentümlichen Errungenschaften unserer Gegenwart, dass sie ein Gefühl nahezu abgeschafft hat, das noch vor wenigen Jahrzehnten zum festen Inventar jeder Kindheit zählte: die Langeweile. Wer heute an einer Bushaltestelle steht, im Wartezimmer sitzt oder in einer Schlange vor der Kasse ausharrt, greift beinahe reflexhaft zum Telefon. Die Leere, die sich früher in solchen Momenten auftat, wird gefüllt, bevor sie überhaupt spürbar werden kann. Man mag das für einen Fortschritt halten – schließlich hat niemand je behauptet, dass Langeweile ein angenehmer Zustand sei. Und doch spricht einiges dafür, dass wir mit ihr mehr verloren haben, als uns bewusst ist.

Bereits Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts haben der Langeweile eine merkwürdige Doppelnatur zugeschrieben. Sie galt ihnen einerseits als Qual, als lähmendes Gefühl der Sinnlosigkeit, andererseits aber als Schwelle, an der sich das Denken erst eigentlich in Bewegung setzt. Wer sich langweilt, so ließe sich zuspitzen, ist auf sich selbst zurückgeworfen; er kann der Frage, was er eigentlich will, nicht mehr ausweichen. Gerade diese Zumutung macht den Zustand so unbequem – und so fruchtbar.

Neuere psychologische Untersuchungen scheinen diese Intuition zu stützen, wenngleich man ihre Ergebnisse nicht überstrapazieren sollte. In mehreren Versuchsreihen wurden Probanden zunächst mit einer ausgesucht monotonen Aufgabe beschäftigt, etwa dem Abschreiben von Telefonnummern, und anschließend gebeten, möglichst viele Verwendungszwecke für einen alltäglichen Gegenstand zu nennen. Diejenigen, die sich zuvor gelangweilt hatten, lieferten im Schnitt originellere Antworten als die Vergleichsgruppe. Die Forscher deuten dies vorsichtig als Hinweis darauf, dass der Geist, sobald äußere Reize ausbleiben, gleichsam auf Wanderschaft geht und dabei Verbindungen knüpft, die ihm unter Dauerbeschallung verwehrt blieben.

Man sollte sich freilich davor hüten, aus solchen Befunden eine neue Selbstoptimierungsregel abzuleiten. Nichts wäre absurder als ein Ratgeber, der empfiehlt, sich täglich zwanzig Minuten gezielt zu langweilen, um die eigene Kreativität zu steigern. Eine Langeweile, die einem Zweck dient, wäre keine mehr; sie würde in jene Logik der Verwertbarkeit zurückfallen, aus der sie gerade herausführen könnte. Ihr Wert liegt, wenn überhaupt, in ihrer Absichtslosigkeit.

Bemerkenswert ist zudem, wie ungleich die Fähigkeit, Leerlauf zu ertragen, verteilt zu sein scheint. Wer in einem Umfeld aufwächst, in dem jede freie Minute verplant wird – vom Musikunterricht über den Sportverein bis zur Nachhilfe –, lernt womöglich nie, mit sich allein zu sein, ohne dies als Mangel zu empfinden. Eltern, die ihren Kindern Langeweile ersparen wollen, handeln aus verständlicher Fürsorge. Sie übersehen dabei aber leicht, dass ein Kind, das sich langweilt, nicht zwangsläufig vernachlässigt wird, sondern sich unter Umständen gerade anschickt, etwas Eigenes zu erfinden: ein Spiel, eine Geschichte, eine Welt.

Es geht also nicht darum, die Technik zu verteufeln, die uns jede Wartezeit verkürzt. Wer sie nostalgisch als Ursache allen Übels brandmarkt, macht es sich ebenso leicht wie jene, die jede Kritik als Fortschrittsfeindlichkeit abtun. Die eigentliche Frage ist bescheidener und zugleich schwieriger: ob wir uns noch die Freiheit nehmen, gelegentlich nichts zu tun – nicht aus Prinzip, sondern weil wir bemerken, dass uns etwas fehlt, wenn wir es nie tun. Vielleicht beginnt diese Freiheit ganz unspektakulär, an der nächsten Bushaltestelle, mit einem Telefon, das in der Tasche bleibt.

  1. Welche Aussage gibt die Hauptthese des Textes am besten wieder?

  2. Was zeigten die im dritten Absatz beschriebenen Versuche?

  3. Wie steht der Autor zu den psychologischen Untersuchungen?

  4. Warum wäre ein Ratgeber, der tägliche Langeweile empfiehlt, laut Autor „absurd“?

  5. „Gerade diese Zumutung macht den Zustand so unbequem“ (2. Absatz). Was ist mit „Zumutung“ hier gemeint?

  6. Was legt der Autor im fünften Absatz über Kinder nahe, die sich langweilen?

  7. Welche Haltung nimmt der Autor im letzten Absatz gegenüber der modernen Technik ein?

Part 2: Short Story – The Piano Tuner

Read the story and answer questions 8–14.

Frau Lindqvist hatte ihn auf zehn Uhr bestellt, doch als Tarek Haddad um zehn vor zehn vor dem Haus stand, war die Haustür bereits angelehnt, als hätte man ihn schon seit Stunden erwartet. Im Treppenhaus roch es nach Bohnerwachs und kaltem Kaffee. Im dritten Stock öffnete ihm eine kleine, sehr aufrechte Frau, die ihn eingehend musterte, bevor sie zur Seite trat.

„Sie sind jünger, als ich dachte“, sagte sie. Es klang nicht wie ein Vorwurf, eher wie eine Feststellung, die sie sich für später aufheben wollte.

Das Klavier stand im hinteren Zimmer, unter einem Fenster, dessen Vorhänge zugezogen waren. Ein schwarzes Instrument, an den Kanten abgegriffen, auf dem Deckel eine Häkeldecke und darauf, sorgfältig ausgerichtet, drei gerahmte Fotografien. Tarek bat, sie abnehmen zu dürfen. Frau Lindqvist zögerte einen Augenblick zu lang, dann nickte sie und trug die Bilder selbst hinüber zur Kommode, eines nach dem anderen, als könnten sie Schaden nehmen, wenn man sie zu zweit trug.

Er schlug das eingestrichene A an und lauschte. Der Ton kam matt und deutlich zu tief, und die Saiten daneben schwebten gegeneinander, als könnten sie sich nicht einigen. „Wann wurde es zuletzt gestimmt?“, fragte er.

„Das muss eine Weile her sein.“ Sie setzte sich auf einen Stuhl neben der Tür, die Hände im Schoß gefaltet. „Mein Mann hat sich immer darum gekümmert. Ich habe nie gespielt. Ich habe nur zugehört.“

Tarek nickte und machte sich an die Arbeit. Er hatte gelernt, in solchen Momenten nicht nachzufragen. Viele seiner Kunden erzählten ohnehin, früher oder später, und die anderen hatten ihre Gründe zu schweigen. Er zog die Mechanik ein Stück vor, setzte den Stimmhammer an und begann, Saite um Saite, sich durch die Mittellage zu arbeiten. Es war eine Arbeit, die Geduld verlangte und eine gewisse Demut: Man konnte einem alten Instrument nichts aufzwingen, man konnte es nur behutsam überreden.

Nach einer Stunde stand Frau Lindqvist auf und verschwand in der Küche. Er hörte Geschirr klappern. Als sie zurückkam, stellte sie ihm eine Tasse Tee auf den Fenstersims, ohne zu fragen, ob er überhaupt Tee trinke. Er trank sonst keinen. Er trank ihn trotzdem.

Gegen Mittag war er fertig. Er spielte, wie er es immer tat, zur Probe ein paar Akkorde, dann eine einfache Melodie, die ihm gerade einfiel, ein Lied, das seine Großmutter gesummt hatte und dessen Text er nie gekannt hatte. Hinter ihm war es vollkommen still geworden. Als er sich umdrehte, stand Frau Lindqvist mitten im Zimmer, eine Hand auf der Stuhllehne.

„Das hat er auch gespielt“, sagte sie leise. „Immer sonntags. Ich wusste nicht, dass es jemand anderes kennt.“

Tarek wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Er hätte erklären können, dass das Lied vermutlich aus einer ganz anderen Gegend stammte, dass es Melodien gab, die über Grenzen wanderten und überall ein wenig anders klangen. Stattdessen sagte er nur: „Es ist ein schönes Lied.“

Sie bezahlte bar, zählte die Scheine zweimal und legte einen dazu, den er zurückweisen wollte und dann doch nicht zurückwies. An der Tür hielt sie ihn auf.

„Kommen Sie im Frühjahr wieder“, sagte sie. „Nicht wegen des Klaviers. Das wird schon halten.“ Sie lächelte zum ersten Mal an diesem Vormittag. „Ich möchte einfach wissen, ob ich es noch richtig im Ohr habe.“

Draußen hatte es zu regnen begonnen. Tarek blieb einen Moment unter dem Vordach stehen und merkte, dass er die Melodie noch immer summte.

  1. Wie wird Frau Lindqvists Bemerkung „Sie sind jünger, als ich dachte“ im Text eingeordnet?

  2. Was deutet die Art an, wie Frau Lindqvist die Fotografien zur Kommode trägt?

  3. „Die Saiten daneben schwebten gegeneinander, als könnten sie sich nicht einigen.“ Was beschreibt dieser Satz?

  4. Was lässt sich über Frau Lindqvists Mann erschließen?

  5. Warum trinkt Tarek den Tee, obwohl er sonst keinen trinkt?

  6. Was meint der Erzähler mit dem Satz, man könne ein altes Instrument „nur behutsam überreden“?

  7. Warum bittet Frau Lindqvist Tarek, im Frühjahr wiederzukommen?

Part 3: Book Review – Lines in the Sand

Read the book review and answer questions 15–20.

Wer eine Landkarte betrachtet, glaubt die Welt zu sehen, wie sie ist. Dass dieser Eindruck trügt, ist keine neue Erkenntnis; dass er sich dennoch so hartnäckig hält, macht ihn zum lohnenden Gegenstand. Helena Vrba, Historikerin mit einem ausgeprägten Sinn für das anschauliche Detail, hat ihm ein umfangreiches Buch gewidmet, dessen Titel – „Linien im Sand“ – bereits die These andeutet: Karten bilden nicht ab, sie entwerfen. Jede Karte ist das Ergebnis unzähliger Entscheidungen darüber, was gezeigt und was weggelassen, was hervorgehoben und was an den Rand gedrängt wird.

Vrba entfaltet diesen Gedanken in zwölf Kapiteln, die lose chronologisch angeordnet sind, aber immer wieder Abstecher in die Gegenwart wagen. Am überzeugendsten ist sie dort, wo sie die unscheinbaren Konventionen der Kartografie gegen den Strich liest. Warum, fragt sie etwa, gilt es als selbstverständlich, dass Norden oben liegt? Die Antwort, die sie gibt, ist ebenso schlicht wie entwaffnend: Es gibt dafür keinen geografischen Grund, sondern lediglich eine Gewohnheit, die sich irgendwann verfestigt hat und seither als Naturgesetz missverstanden wird. Ähnlich erhellend sind ihre Ausführungen zu Maßstab und Projektion, die zeigen, wie mathematisch notwendige Verzerrungen unbemerkt in Vorstellungen von Größe und Bedeutung umschlagen können.

Besonders gelungen ist das Kapitel über die Kartierung von Gebirgsregionen im achtzehnten Jahrhundert. Anhand von Feldtagebüchern, die sie in mehreren Archiven aufgespürt hat, rekonstruiert Vrba den mühsamen Alltag der Landvermesser, die bei jedem Wetter mit schweren Instrumenten unterwegs waren und deren Ergebnisse dennoch oft auf Auskünften ortskundiger Hirten beruhten. Diese Gewährsleute, so Vrba, tauchen in keiner Legende auf; ihr Wissen wurde aufgesogen und unter dem Namen anderer veröffentlicht. Es sind Passagen wie diese, in denen das Buch über eine bloße Wissenschaftsgeschichte hinauswächst und zu einer Studie darüber wird, wessen Wissen zählt.

Weniger überzeugend gerät der Schlussteil, der sich digitalen Kartendiensten widmet. Hier verlässt Vrba der sonst so wache Blick für Nuancen. Ihre Warnung, personalisierte Karten zeigten jedem Nutzer nur noch die Welt, die er ohnehin kenne, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, wird aber eher behauptet als belegt. Wo die historischen Kapitel von akribischer Quellenarbeit zeugen, begnügt sie sich hier mit Anekdoten und allgemeinen Befürchtungen. Man hat den Eindruck, die Autorin habe das Gefühl gehabt, ihrem Stoff eine aktuelle Pointe schuldig zu sein – ein Zugeständnis an den Zeitgeist, das das Buch nicht nötig gehabt hätte.

Auch stilistisch ist nicht alles geglückt. Vrbas Vorliebe für lange, verschachtelte Satzperioden verleiht manchen Abschnitten eine beeindruckende Dichte, ermüdet aber auf Dauer, zumal einige Gedanken in nur leicht abgewandelter Form mehrfach wiederkehren. Ein strengeres Lektorat hätte dem Band gutgetan; zweihundert Seiten weniger wären kein Verlust gewesen.

Diese Einwände ändern jedoch wenig am Gesamteindruck. „Linien im Sand“ ist ein kluges, materialreiches und streckenweise glänzend geschriebenes Buch, das seine Leserinnen und Leser dazu bringt, vertraute Bilder mit anderen Augen zu sehen. Wer es gelesen hat, wird keinen Stadtplan und keinen Atlas mehr aufschlagen können, ohne sich zu fragen, wer hier eigentlich gezeichnet hat – und was dabei verloren ging. Mehr kann man von einem Sachbuch kaum verlangen.

  1. Welche These vertritt Helena Vrba laut Rezension?

  2. Was macht das Kapitel über Gebirgsregionen nach Ansicht des Rezensenten besonders wertvoll?

  3. Was kritisiert der Rezensent am Schlussteil des Buches?

  4. „Ihre Warnung … ist zwar nicht von der Hand zu weisen“. Was bedeutet diese Wendung hier?

  5. Welchen Kritikpunkt bringt der Rezensent im Hinblick auf Stil und Umfang NICHT vor?

  6. Wie lautet das Gesamturteil des Rezensenten?

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About this test

This C2 German reading comprehension test has three original texts in different genres: an essay, a literary short story and a book review. Each text is 500–650 words long. The 20 questions test gist, detail, inference, author's stance and vocabulary in context. The test is for advanced learners preparing for C2 exams, such as the Goethe-Zertifikat C2, and for teachers who need authentic-style practice material.

Topics covered

Reading comprehensionEssayLiterary narrativeBook reviewInferenceAuthor's stanceVocabulary in context

How to use this test

  1. Download the PDF and print it, or take the test online below.
  2. Answer every question without a dictionary or time pressure.
  3. Check your answers and note the topics you need to review.

Notes for teachers

Give students about 50 minutes, or set each section as a separate timed task of 15–17 minutes. Many distractors reflect typical C2 pitfalls: overgeneralising cautious claims, taking figurative language literally, and confusing the author's view with the views the author reports. In follow-up work, ask students to underline the hedging and evaluative expressions in each text (e.g. "freilich", "nicht von der Hand zu weisen", "wenngleich") and discuss how they shape the writer's stance.